17. April 2015

Everesting oder Cinglés am Mont Ventoux?

Departement Vaucluse. Mont Ventoux. Windiger Berg: Mythos! Schon die Kelten verehrten diesen, einsam und majestätisch-beeindruckend zugleich in der fast flachen Umgebung aufragenden Kalkriesen als Sitz ihrer Windgottheit. Der Berg zieht jedes Jahr tausende Radsportler an, an schönen Tagen - ich weiß, wovon ich rede - kommt es einem vor, als fände ein Rennen dort statt, so viele Rennräder ächzen den 1.912 Meter hohen Berg hinauf (und hinab). Kein Wunder - bei schönem Wetter ist dies der einzige Ort, von dem Mann die Gipfel von Alpen, Pyrenäen und de Mittelmeerküste zugleich sehen kann. Ende Mai wollen wir uns auch wieder in die Schlange der Windbezwinger einreihen. Für mich wird es schon der zweite Besuch am Ventoux: Ein kleiner Vorbericht. 


Mont Ventoux mit dem Rennrad - ein Genuss der besonderen Art.


Ich liebe die Berge. Die Steilheit. Die Einsamkeit. Ich liebe es, mich langsam kurbelnd hochzuarbeiten. Mich zu verlieren, weg zu träumen. Doch, was man in den Hochgebirgen nicht bekommt, der Ventoux liefert es: Das Gefühl von Höhe. Da der Berg fast allein in einer ansonsten eher flachen Umgebung steht, ist der Ausblick von dort einfach nur Atem beraubend! Was 1.900 Meter Höhe wirklich bedeuten, das sieht man auf kaum einem Gipfel besser, als hier am Ventoux.




Der Mont Ventoux - schon von Weitem ein Atem beraubender Anblick, der Radsport-Herzen höher schlagen lässt.

Der Mont Ventoux hat Radsport-Geschichte geschrieben. Traurige leider. Tom Simpson starb hier 1967, vollgepumpt mit Amphetaminen und Alkohol, völlig ausgezehrt in der Leistungs- und Dehydrationsfalle. Das Denkmal kurz vor dem Gipfel wird traditionell von Vorbeifahrenden mit Wasserflaschen "für" ihn dekoriert. Auch der große Kannibale Eddy Merckx musste 1970 dem Berg Tribut zollen: Zwar gewann er die Ventoux-Etappe (und später auch die Tour de France), doch stürmte der Radsportler dermaßen besengt zum Gipfel, dass er noch im Ziel kollabierte und medizinisch behandelt werden musste.

Zwar bin ich 2011, als ich auf meiner Petite Boucle - der kleinen Tour de France hier geht es übrigens zur Website mit allen Etappen mit meinem Kumpel Flow hier vorbeikomme, nicht kollabiert, doch ich habe einen extraheißen (und Gott sei Dank nicht windigen) Tag erwischt: Das war schon krass genug!

Wir kämpfen uns die Auffahrt von Bedoin aus hinauf - der Ventoux bietet drei davon. Die besagte Südrampe von Bedoin aus ist mit 21 Kilometern länge und 1.609 Höhenmeter die "klassische" Tour de France-Route. Mit 26 Kilometern die längste, dafür "nur" 1.100 Höhenmeter überbrückend die Rampe ab Sault, von Osten her. Und zu guter Letzt die Westrampe ab Malaucène - sie ist genauso lang wie Bedoin und überbrückt 1.680 Höhenmeter. Bedoin hoch - via Malaucène runter, das war unser Weg damals.

Ich erinnere mich an den Wald voller Fliegen (in meinem Mund) im unteren Teil. Sehr steil. Tretlagerknarzen. Kein Wind, die Hitze steht. Dann Buschvegetation auf halbem Wege und die knallende Sonne. Helm ab, viel trinken! Und wenig später ab Chalet Reynard dann die volle Kante: Steil in den weißen, blendenden Kalk gefräste Straße, links neben mir der beeindruckende Abgrund. Dieser Berg ist einfach Hammer!




Die Auffahrt ab Bedoin - heiß, stickig und voller Fliegen. So erinnere ich meinen 2011er-Trip vom Windigen Berg.

Oben angekommen kämpfen wir uns die letzten Rampen - die hier nochmal richtig schön hart anziehen - hinauf und tauchen ein in den vollkommen überfüllten Rummelplatz. Zwischen Wurstbude und Postkartenständern finden wir einen Platz in einer Boulangerie, genießen einen Snack und leckeren Café und schauen bergab auf das Geleistete. Nicht nur, weil das Wetter an diesem Tag einfach nur traumhaft war, ich selbst eine für mich ganz beachtliche Zeit fahren konnte, brennt sich der Mont Ventoux neben dem Col d´Aubisque und dem Monte Bondone als einer meiner Lieblingsberge in mein Rennrad-Gedächtnis ein. Umso schöner, dass ich in knapp 5 Wochen wieder zu diesem Riesen der Provence zurückkehren kann ...

Die Saison 2015 verbringen wir weniger bei Rennen. Wir haben uns für dieses Jahr eher den Spaß auf die Fahnen geschrieben, denn die Jagd nach persönlichen Bestzeiten bei möglichst vielen Rennen. Das Everesting bietet genau dies: Wir kommen in Kontakt mit Menschen, genießen gemeinsam ein Wochenende und widmen uns beim Everesten nur einem einzigen Berg: Um die 8.848 Höhenmeter für ein komplettes Everesting zu erreichen, genug Zeit für 5, 6 oder gar 7 Aufstiege an den Orten - viel Zeit, die Berge und damit auch sich selbst so richtig kennen zu lernen.




Wahnsinnige Ausblicke neben dem Asphalt - oben wird es noch mal richtig steil.

Wir haben unsere Basis in Bedoin. Am Fuße des klassischen Aufstiegs also. Die 21 Kilometer und 1.609 Höhenmeter müssen wir also ganze 6 Mal abfahren, um in den erlesenen Club der ganz Harten zu kommen. Ob das so für mich machbar ist, ist mir eigentlich egal - für mich persönlich ist das Everesting mehr ein Thema, ein Vehikel. Wenn meine Grenze bei 4 Mal erreicht und überschritten ist - auch okay. 

6 Mal den Ventoux fahren für das Everesting? Da gibt es noch eine andere Möglichkeit: Den "Club der Bekloppten", der Club du Cinglès du Ventoux


Der Club du Cinglès du Ventoux: Harte Jungs die Stempeln gehen.


1988 gegründet, kann man sich offiziell hier anmelden und erhält gegen (momentan) 20 € eine Stempelkarte. Nun fährt der geneigte Radsport-Bekloppte alle 3 Auffahrten der Reihe nach ab und lässt sich an den Umkehrpunkten seine Ankunft per Stempel in Läden und Bars bestätigen. Bis zum heutigen Tage sind knapp 7.400 Enthusiasten mit einer vollen Stempelkarte zurück gekehrt - wie viele das Abenteuer unverrichteter Dinge abbrechen mussten, weiß man nicht. 
Florence Girard vom Club leitet meine Fragen an den President weiter, ich bin gespannt, was es mit dem Cinglés du Ventoux auf sich hat.

Lousy Legs: Monsieur Le President, wie ist der Club du Cinglès du Ventoux damals entstanden?

MM Le President: Die Entstehung des Club geht auf einen Rennradverrückten namens Christian Pic zurück: Auf die Frage eines Freundes, welche der drei Auffahrten er denn als die schönste bezeichnen würde, wusste Christian keine Antwort. Er überlegte und überlegte - und schließlich kam ihm die Idee, dass er an einem Tage alle drei fahren würde, um dann die Frage beantworten zu können. Das Ganze ist so verrückt und kam so gut bei seinen Freunden an, das sie wenig später die Regeln formalisierten und damit war der Club im Prinzip geboren.




3 mal, 4 mal oder gar 6 Mal diesen Spaß wagen? Können?

Lousy Legs: Wenn in knapp 30 Jahren seit seiner Gründung knapp 7.400 Leute diese Erfahrung gemacht haben, dann sind das um und bei 300 Rennrad-Verrückte im Jahr, die sich anmelden und es schaffen. Was macht den Reiz des Ventoux und des Clubs aus Ihrer Sicht aus?

MM Le President: Der Ventoux ist ein magischer Berg! Ein ganz spezieller Ort, an dem Geschichte, Mythos und Radsportlegenden zusammen treffen. Er ist wie ein Magnet für Hobbysportler, wahrscheinlich auch, weil im Prinzip alle Radsport-Profis des Pantheons in die Kehren der Aufstiege ihre Spuren eingekerbt haben. Zudem ist die sportliche Herausforderung und damit das Prestige enorm: Denn die Prüfungen gehen ja weiter, als "nur" die 3 Anstiege zu fahren. Wer an einem Tag 4 Mal den Ventoux bezwingt, also ein "Galarièn" wird (übersetzt "Galeerenruderer") der hat 6.020 hm in den Beinen, und wer das ganze 6 mal schafft, der hat ein "Bicinglette" geschafft. Und dessen können sich bisher immerhin 470 bzw. 103 Sportler rühmen.

Lousy Legs: Wie Sie wissen, wollen wir selbst den Ventoux mehrmals bezwingen - was sind Ihre Erfahrungen oder Tipps, die Sie uns und allen Interessenten mitgeben würden?

MM Le President: Zunächst kann ich nur empfehlen, diese Herausforderung anzunehmen, wenn man gut trainiert ist. Bei uns haben die Sportler so um die 4-5.000 Jahreskilometer in den Beinen, wenn sie am Ventoux antreten ...




Das Denkmal für Tom Simpson - hier mit Richard Geng. Den habe ich auch interviewed.

Lousy Legs: ... oha!

MM Le President: ... dann natürlich Kompaktkurbel und eine 28er-Kassette, das sollte ebenfalls Pflicht sein. Alles andere ist Selbstmord. Die beste Zeit, um das am Ventoux durchzuziehen, ist Juni bis Ende September. Das Wetter ist hier dann generell gut und stabil. Wer die Hitze vermeiden möchte, muss früh starten - abgesehen davon, dass man der Hitze und den vor allem nachmittags aufflammenden Winden entgeht - sind Sonnenauf- und -untergang am Ventoux ganz verzückende Naturschauspiele.

Lousy Legs: Monsier Le President, ich bedanke mich für das Interview.

4 bis 5.000 Kilometer in den Beinen also? Na, das kann ja lustig werden. Ich forsche etwas im Netz und suche nach Cinglès in Deutschland. Mich interessieren unmittelbare Eindrücke vom Everesten/Cinglés am Ventoux. Schnell werde ich fündig und freue mich, dass er sich eine Stunde am Telefon Zeit für mich und meine Fragen genommen hat.


Interview mit einem "doppelt Bekloppten": Richard "Rich" Geng.


Richard Geng ist 29 Jahre jung. Seine Radsport-Geschichte allein böte genug Stoff für drei weitere Interviews: Er sitzt seit dem er 13 Jahre alt ist, auf dem Rennrad. Er besucht die Sportschule, wird vom Olympiastützpunkt Berlin unterstützt, steigt in die U23 auf, fährt in der Bundesliga und 2006 bei den Deutschen Meisterschaften der U23 fährt er in die Top 10. 2007 erhält er einen Vertrag beim einem Team als Profi auf Continental-Niveau. Petacchi, Voigt, Greipel & Co kennt er nicht nur aus dem Fernsehen, sondern begegnet ihnen bei mehreren Rennen und Rundfahrten. 




Richard "Rich" im Sprinter-Trikot der Sachsen Tour vor Greipel.

Er sagt selbst, dass es zum Top-Fahrer nicht gereicht hat, zieht die Notbremse und beginnt, Sportwissenschaften in den USA zu studieren. Dort fährt er weiter Kriterien, wird sogar mehrfach US-amerikanischer Hochschulmeister und arbeitet erfolgreich als Trainer. 2012 kehrt er nach Deutschland zurück, gründet eine Firma, die Ausdauersportler coached. Und: Er wird 2014 ein "Doppelt Bekloppter".

Lousy Legs: Richard, sag uns, wie Du auf die Idee gekommen bist, nicht nur der "normale Bekloppte" sondern der "Doppeltbekloppte" zu werden - also 6 mal die Rampen des Ventoux innerhalb von 24 Stunden fahren zu wollen.

Rich: Tja, das war so ein Schnellschuss, vollkommen unüberlegt. Einfach zugesagt. Im Prinzip war das die Idee eines Freundes von mir gewesen, der mir von dem Club erzählt hatte. Ich habe mir dann die Daten angeschaut und dachte mir: 3 mal schaffste sicher - aber ob ich das 6 mal packen würde?

Lousy Legs: Du warst Dir also nicht sicher, ob Du das schaffst? Bei Deiner Vergangenheit müsstest Du doch wahnsinnig austrainiert sein?!

Rich: Wahnsinnig trainiert nicht, im Training aber schon - 6 mal das ganze an einem Tag ist schon eine heftige Nummer. Im Prinzip ist das von der Höhenmeterleistung ja fast ein Everesting. Ich habe das mal durchgerechnet mit den Wattwerten usw. und bin darauf gekommen, dass 10 Befahrungen an einem Tag für mich mit meinem momentanen Leistungsstand unmöglich wären, 8 mal und vielleicht 9 mal allerdings durchaus im Bereich des Möglichen lägen. Mit meiner damaligen Herangehensweise - nahezu unvorbereitet, ohne Support und ausreichender Verpflegung - waren 6 mal aber schon so krass, dass das für mich echt eine Challenge war. Nein, ich war mir ganz und gar nicht sicher, das zu schaffen.




Er kann es nicht lassen - Wieder US-amerikanischer Hochschulmeister 2012.

Lousy Legs: Also ohne spezielles Training los?

Rich: Ja, im Prinzip schon. Ich bin einige Tage vorher die Vätternrundan in 10 Stunden gefahren, hatte davor einige kurze Radrennen als A-Lizenzler bestritten: Also zur Orientierung, ich habe damals so 9 Stunden pro Woche trainiert und hatte 20 Kriterien in den Beinen. Im Vergleich zu einem Jedermann war ich sicher auf einem guten Niveau, aber wie gesagt, ich glaubte damals nicht, dass ich es schaffen würde.

Lousy Legs: Wie hast Du das dann durchgezogen? Wie lief das ab?

Rich: Ja, also wir sind in einem engen PKW da an einem Tag runtergeballert - total beengt. Am nächsten Tag sind wir dann quasi als Testlauf einmal locker hochgefahren, das ging dann auch so locker, dass wir abends - total bescheuert! - noch ein Bier und ein Glas Wein getrunken hatten. Wenig Schlaf, 4 Uhr aufstehen und gegen 5 war ich im Berg. Mein Kumpel und ich sind dann zusammen die drei mal gefahren. Da hatte am Ventoux noch alles zu und wir mussten "Beweisfotos" machen, da wir ja keine Stempel bekommen konnten. Als mein Freund dann seine 3 Male hatte, fuhr ich alleine weiter ...

Lousy Legs: ... und dann wurde es heftig ...

Rich: Genau! Ich war ja noch so "professionell", und hatte nichts weiter besonderes mitgenommen: Keine Riegel, keine Gels oder Drinks oder so. Beim vierten Aufstieg, wieder in Bedoin, knallte dann die Sonne richtig fies runter. Irgendein Radfahrer überholte mich - und da brannte es mit mir durch. Vollkommen hirnlos setze ich dem nach, kann ihn auch überholen, aber oben kommt der Mann mit dem Hammer. Bang! Hitzschlag. In Chalet Reynard habe ich dann ein gefühltes Kilo Crepes, einen Liter Cola und eine Gallone Wasser getrunken, machte dann da mit 30 min auch meine längste Pause. 




Morgens am Mont Ventoux: Frisch ist es und schön leer. Das wird sich ändern.

Lousy Legs: Dann ging es wieder?

Rich: Ja, aber schwerer. Ich hab mir dann noch ein Baguette in die Trikottasche gefummelt. Der fünfte Aufstieg war von Krämpfen geprägt. Echt schmerzhaft. Aber als ich oben war - es dämmerte schon - dachte ich mir, dass ich den letzten dann auch noch schaffe. Das war dann ab Malaucene. Horror! Ich war so im Tran, dass ich halluziniert habe - sowas ist mir in meiner ganzen Radsport-Laufbahn nur noch ein weiteres mal passiert, in den USA in der Wüste. Oben angekommen, so gegen 20 Uhr, war alles vollkommen leer - nur der Wind war da und schrie mich an. Aber ich hatte es geschafft!

Lousy Legs: Was war der schönste - und was der beschissenste Moment?

Rich: Der schlimmste Moment war, als ich nach dem letzten Aufstieg oben angekommen war und ein dermaßen harter Wind ging, dass ich in der Abfahrt so richtig powern musste, um überhaupt bergab zu kommen! Da hätte ich nur noch brüllen können. Die Einsicht, noch lange nicht fertig zu sein ... schlimm war das! Der schönste Moment war, als ich im Hotelzimmer, völlig fertig, auf einem Hocker unter der heißen Dusche sitzen konnte, dann eineinhalb Liter Cola getrunken habe und sofort eingeschlafen bin. Hammer! Ich war, glaube ich, noch nie so fertig! 




Fünf im Sack - die Letzte wird noch mal richtig hart werden.

Lousy Legs: Was würdest Du uns denn raten, wenn wir uns ans Everesting/Cinglès machen?

Rich: (lacht) Gebt es auf, es ist nicht zu schaffen! Na, im Ernst, ich kann Euch nur raten, mit Köpfchen zu fahren. Euch genau zu übelegen - am besten zu errechnen - mit welchen Wattzahlen ihr über längere Zeit welche Leistung bringen könnt, und Euch auch daran zu halten. Der Berg ist echt schwer und so ein Tag in der Vertikalen hammerhart. Ein vernünftiges Pacing ist meiner Meinung nach der Schlüssel. Mit Kopf vorgehen, sich fragen ´Was kann ich?´ und dann danach hochfahren. Tja, 28er sollte Pflicht sein, logo und, naja, Bock haben eben ...

Lousy Legs: ... ohne Motivation läuft nichts ...

Rich: Ganz genau, wobei man sich auch nicht allzu ernst nehmen sollte, wenn man sowas Beklopptes macht. Wichtig ist auch die Reihenfolge der Auffahrten. Also wann man welche fährt. Ich würde die Rampe ab Sault als die leichteste bezeichnen. Sie ist zwar ein paar Kilometer länger, aber die merkt man gar nicht. Sehr rhythmisch zu fahren, viel im Wald - also windgeschützt. Malaucene ist die "Hinterlistige" - nicht allzu steil im Mittel, hat die auch noch ein paar fiese Rampen. Und windanfällig ist sie! Je nachdem, wie der Wind steht, kann es Sinn machen, die als erste zu fahren, denn die Winde kommen ab Nachmittag. Bedoin ist die schwerste Rampe, weil eigentlich durchweg steil. Wie gesagt: Das Köpfchen entscheidet stark mit am Ventoux.

Ich bedanke mich bei Richard - und hoffe, das wir uns vielleicht mal persönlich in meiner Heimat Berlin treffen. Der Mann hat noch einige Stories in Petto ...


Bist Du Cinglès genug fürs Everesting?


Na, da bekommt man doch richtig Lust, sowas "Beklopptes" auch mal selbst auszuprobieren, oder? Wenn Du den magischen Berg und 7 andere Radsportler kennen lernen möchtest, dann begleite uns doch? Vom 29. bis 31.5. sind wir am Mont Ventoux, übernachten in zwei Chalets und stellen die Verpflegung & Trinken für den Tag des Everestings zur Verfügung. Wir organisieren die An- und Abreise in einem Bus und holen Dich entlang unserer Fahrtroute ab - Du hast Lust auf das Everesting mit Lousy Legs? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Dir - einfach hier im Blog das Kontaktformular nutzen. Wir haben noch 2 Plätze frei im Bus.


Hier geht es zur offiziellen Website des Club du Cinglès du Ventoux.
Und hier zum Bericht von Richard Geng zu seinem Bicinglette-Abenteuer.




MORTIROLO 15.-17. Mai - AUSGEBUCHT
MONT VENTOUX 29.-31. Mai - NOCH 2 FREIE PLÄTZE!
RETTENBACHFERNER/SÖLDEN 19.-21. Juni - JETZT RESERVIEREN!
COL DU GALIBIER 7.-9. August
COL DE LA BONETTE 28.-30. August

Bei Fragen, zur Anmeldung oder unverbindlichen Reservierung eines Startplatzes nutze bitte das Kontaktformular hier im Blog.

13. April 2015

Rennrad-Beratung beim Hersteller: Wie gut schlagen sich die Rennrad-Marken beim großen E-Mail-Test?

Immer wieder lese ich (halbwegs neidisch) in meinen Timelines auf Twitter oder Google+ von Euren Neuanschaffungen. Schicke neue Rennräder, CX-Boliden oder Zeitfahrmaschinen, hartes Carbon und edles Titan geben sich die Rahmen in die Streben. Und da kommt mir vor 2 Wochen die Frage: Was wäre, wenn ich heute ein Rennrad-Neuling wäre, der überhaupt erst einmal für sich klären will, welche Rennrad-Marke nun die "beste" für ihn sei? Gesagt, getan: Von meiner Recherche zum Beitrag über Rennrad-Garantien der Hersteller habe ich noch die Liste mit 44 Rennrad-Marken. Und schnell ist die Idee geboren, einmal zu testen, wie gut die Hersteller der Produkte selbst eine Kundenanfrage beantworten: Können die Rennrad-Hersteller mich als kaufwilligen Einsteiger für Ihr Produkt begeistern?


Rennrad-Einsteiger und die häufigsten Fragen beim Rennrad-Kauf.


Der Fahrradmarkt Deutschland ist einer der wichtigen in der Welt - was die nackten Zahlen angeht, ist unser Land ganz weit vorn dabei, was sowohl die absoluten Zahlen der Fahrräder als auch die Größe des Marktes angeht. So veröffentlicht der ZIV - Zweirad-Industrie-Verband in seiner alljährlichen Pressemitteilung zum Radmarkt Deutschland spannende Zahlen: 2014 haben wir Deutschen insgesamt 4 bis 5 Milliarden Euro für Fahrräder, Fahrradteile und Zubehör ausgegeben. Davon entfallen allein 2,2 Milliarden Euro auf Fahrradneukäufe. Der Fahrradmarkt ist ein Wachstumsmarkt - vor allem getrieben von dem E-Bike-Boom - dennoch ist ein nicht unerheblicher Teil der ca. 4 Millionen verkaufter Neuräder ein Rennrad - nämlich immerhin rund 160.000 Stück**.





Der Fahrradmarkt Deutschland 2014 - Interessante Zahlen.

Also: Welche Fragen wird ein Newcomer im Rennrad-Bereich wohl haben, bevor er seine durchschnittlich 3.278 Euro* für das neue Sportgerät investiert? Robert Karrasch, der Rennrad-Händler meines Vertrauens, formulierte das damals so: "Die meisten Einsteiger wissen eigentlich schon, was sie wollen - oder glauben, es zu wissen. Sie informieren sich in den Zeitschriften, bekommen mit, was ihre Freunde und Bekannten fahren und sind, was die Marken angeht, meist schon festgelegt." Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Bei mir gab es damals nur drei Marken, für die ich mein Geld ausgeben wollte: Bianchi, BMC oder Cervélo.


"Wenn Fachfragen kommen", so Robert weiter, "dann beziehen die sich meist auf Komponenten wie Schaltungen, vor allem seit es die Elektronischen gibt, und Laufräder - wobei es bei der Laufradwahl dann meistens der Geldbeutel ist, der entscheidet." Auch das kann ich bestätigen: Mir war damals das wichtigste, eine Top-Gruppe zu fahren (damals die Dura Ace an meinem Cervélo R3), erst als das Budget weg war, traf ich meine (noch immer hervorragende!) Laufrad-Wahl.


Für meinen Test beschließe ich, genau diese Anfänger-Fragen als eine Mischung aus naiver Sicherheit und Unwissenheit zu stellen ...



Alter Ego: Manfred Horbach schreibt 44 Rennrad-Hersteller an.


Ich erfinde Manfred Horbach (Ähnlichkeiten oder Namensdoppelungen mit eventuell echten M. Horbachs sind rein zufällig). Manfred klingt nach einem MAMIL. Manfred hat Geld - viel Geld, denn in seiner E-Mail an den Hersteller wird er nach "dem Top-Modell" fragen. Manfred ist absoluter Neuling, wird das in der Mail auch so sagen, und um das zu unterstreichen, fragt er, ob seine "rund 89 Kilo ein Problem für das Karbon" seien. Karbon schreibt Manfred mit K. 

Zudem stellt er zwei Fragen, die ausdrücklich nichts mit dem Rennrad-Hersteller zu tun haben, weil sie eben Komponenten betreffen: Er möchte wissen, ob er denn nun wirklich eine Di2 fahren soll und - da er viel in den Bergen unterwegs sein will - welchen Laufradsatz man empfehlen würde.






Manfreds E-Mail: Ich frage gezielt nach Produkt- und auch produktfremden Features.

Meine E-Mail hat System: Mann mit viel Geld will endlich kaufen, steht kurz vor der Entscheidung und hat eigentlich ganz einfache Fragen. Wonach bewerte ich die Antworten der Hersteller? Ich bewerte nach 4 Kategorien. 


Erstens die Antwort-Geschwindigkeit: Im Zeitalter der elektronischen Massenmedien sollte es für ein Unternehmen (ganz gleich übrigens, ob Rennrad-Hersteller, Autoverkäufer, Wurstfabrik oder Rechtsanwaltskanzlei) selbstverständlich sein, eine elektronische Anfrage innerhalb von maximal 48 Stunden zu beantworten. 2 Werktage für eine E-Mail, um diese an den entsprechenden Bearbeiter weiterzuleiten sollten mehr als genügen. Bei nicht-deutschsprachigen Herstellern gebe ich 3 Werktage Zeit - dennoch sollte es Welt-Marken wie Colnago oder Trek möglich sein, meine deutsche Anfrage (meinetwegen halbwegs gut mit Google) zu übersetzen, zu beantworten und in deutsch zurück zu senden. 


Zweitens die Antwort-Qualität: Hier checke ich zunächst die Hard Facts. Wurde das "Top-Modell" vom Hersteller benannt? Also "Schön, Manfred, dass Du Dich für unser Cervelo S5 VWD interessierst ..." oder "Sehr geehrter Herr Horbach, unser Bianchi Oltre ist der ganze Stolz unserer Produktpalette und vereint alle ..." oder so ähnlich. Branding halt. Werden meine drei Fragen kompetent, ausgewogen und mit einem Lösungsvorschlag beantwortet? Also die Frage nach den 89 Kilo und dem "Karbon", dann Di2 oder mechanisch und zu guter Letzt die Laufräder. Wie gesagt: Die Frage nach dem Fahrer-/Systemgewicht betrifft das Produkt des Unternehmens selbst, hier muss eine eindeutige Aussage getroffen werden - bei Schaltung und Laufrädern sind aus meiner Sicht keine eindeutigen Aussagen möglich - wohl aber persönliche Meinungen. "Wenn Sie mich fragen, so bietet das Elektrische Schalten den meisten Komfort - es kostet aber auch entsprechend mehr". Das wäre perfekt: Vor und Nachteile aufzuzählen und gerade bei den Komponenten nicht zu sehr zu "drängen".






Ich versuche, meiner subjektiven Bewertung eine einheitliche
Skala zugrunde zu legen.

Und drittens die Frage nach dem Kaufauslöser - hat es der Hersteller geschafft, mich, der ich ihm signalisiert habe, nun ganz kurz vor dem Kauf zu stehen, in einen Laden, zum Fachhändler, ans Telefon oder zu einer Probefahrt zu bewegen, um den Kauf auch wirklich auszuführen? Also im Marketing-Sprech: Aus mir als Lead einen Sale gemacht? 



Der Test: Wie gut, schnell und beratend reagieren die Rennrad-Firmen?


Ich gebe zu, ich bin hier jetzt etwas Arsch. Ich arbeite seit 15 Jahren in der Marketing-Branche und weiß daher um die großen Schwierigkeiten der Unternehmen, mit hohem Kostendruck umzugehen und natürlich den Anspruch der Hersteller, einen möglichst einfachen Kunden zu haben, der ganz standardisiert in die "Value Chain" passt. Einer, der immer alles richtig macht. Immer die richtigen Knöpfe drückt. Die richtigen Nummern wählt und einer, der die "richtigen Wege" geht. Nur: Manfred tut das eben nicht. Manfred schaut auf den Websites der Hersteller einfach nur nach dem Kontaktformular. Er ignoriert Sätze wie: "Lassen Sie sich bitte von Ihrem Fachhändler beraten" oder "Rufen Sie unsere Beratungs-Hotline" an. Der Manfred, der ist noch Old School: Er schreibt an die ganz normale Kontakt-Adresse oder nutzt die generellen Kontaktformulare. Er will ja keinen Verkäufer - er will den Hersteller haben!



Radon hat ein übersichtliches, schnelles Formular. Bei Colnago gibt es ein Formular immer unten im Footer - lange suchen adé.
Leider antworten beide Hersteller nicht.

Zudem ist Manfred berufstätig. Hat einen Fulltime-Job mit viel Stress. Manfred hat nur am Wochenende Zeit, sich mit Rennrädern zu beschäftigen - deshalb schickt er seine E-Mail auch an einem Samstagmorgen ab. Selbstverständlich zählen meine 48 Stunden erst ab Montag, also ab dem ersten Werktag der Woche, aber mich interessiert bei der Wochenendnummer eben auch: Gibt es nicht doch auch ganz "engagierte" Hersteller? Zum Beispiel einen Principia-Mitarbeiter, die so richtig Bock hat, dass sie auch am Samstag oder Sonntag "ihre" Mails checken? (Ich mache das zum Beispiel) Oder gehen Wochenend-Mails gar unter? 


Das Ergebnis ist, zumindest was die Geschwindigkeit der Antworten angeht, überraschend positiv: Von den Firmen, die Manfred eine Antwort schicken, schaffen das fast 60 % aller antwortenden Hersteller nach nur 2 Tagen, also gleich am Montag nach dem Wochenende. Weitere 15 % brauchen 3 Tage - erfreulich geringe 25 % brauchen mehr als 3 Tage. Fast alle Antworten waren nach maximal 4 Tagen in Manfreds Postfach eingetroffen - lediglich der Nachzügler, Cube, brauchte 10 Tage (7 Werktage) für die Beantwortung - inakzeptabel lang, wie ich finde.




Die gute Nachricht: Sehr schnell sind (von denen, die antworten) fast alle.

Wie gesagt, diese "erfreuliche" Geschwindigkeit bezieht sich nur auf die Firmen, die auch tatsächlich geantwortet haben. Denn erschreckenderweise haben immerhin 12 aller angefragten Hersteller gar keine Antwort geschickt - bis heute, 14 Tage nach dem Test. Das sind 35 % aller abgeschickten Anfragen, auf die der kauffwillige Manfred gar keine Antwort erhalten hat! 


Wer gewinnt - wer verliert?



Kuota und KTM antworten hervorragend, DeRosa und Look überraschend schnell & kompetent.


Fangen wir mit dem Positiven an. Besonders gefallen haben mit die Antworten von Kuota und KTM: Zwar brauchte der Kuota-Berater mit 3 Tagen (also 2 Werktage) einen Tag länger, als sein Kollege von KTM, doch beide Antworten waren genau auf dem Punkt: Beide haben sich - im Vergleich zum Umfang aller eingegangenen Antwort-Mails - wirklich Zeit genommen, auf meine Fragen einzugehen. Kuota erläutert auf eine persönliche Art (mit "Du"-Anrede, unter Sportlern OK), warum die Rahmen mit "meinen" 89 Kilo gar kein Problem haben. Er geht inhaltlich korrekt und ausgewogen auf die Vor- und die Nachteile der Di2 ein und - sehr gut gelöst - gibt mir einen "persönlichen Geschmacks"-Tipp für die Laufradwahl. 

Der KTM-Berater macht auch Lust auf das Produkt: Als einer von nur 2 (!) Beratern nennt er das Top-Modell beim Namen und findet ein, zwei tolle Sätze, um mir den Revelator noch schmackhafter zu machen. Auch er erläutert die Vor- und Nachteile einer elektronischen Schaltgruppe ausgwogen, ohne mich in die eine oder die andere Richtung drängen zu wollen. Einziges Minus: Bei beiden hätte ich mir noch als krönenden Abschluss eine Einladung zu einem Händler in meiner Nähe, eine Kontaktnummer oder irgend einen "Trigger" gewünscht, obschon mir Kuota angeboten hat, gern noch mal zu mailen, falls ich weitere Fragen habe.





Top-Beratung bei KTM und Kuota: So muss das gehen!

Generell fällt bei allen Antworten negativ auf, dass diese oftmals hastig getippt (inkl. Tippfehler) wirken oder, was oft noch schlimmer ist, nur ein paar Standardsätze enthalten. Selbst wenn es Firmen-Policy ist, Kauf-Interessenten nur durch Fachhändler beraten zu lassen - so kann man doch dann wenigstens auf das Top-Modell kurz eingehen, vielleicht ein PDF, Broschüre anhängen und einen Link zur Fachhändlersuche auf der Website mit schicken. Das wäre für mich das Mindeste, was ein Hersteller tun kann, um aus dem Lead ein Sale zu machen. Die Mehrzahl versagt hier: Nur 5 aller Antworten (das sind 12 %) enthalten konkrete Angaben zu Fachhändlern in meiner Nähe.

Obschon ich sieben mal die Note "perfekt" vergebe und 6 Hersteller mit "OK mit Schwächen" benote, konnten mich wirklich nur Kuota und KTM halbwegs begeistern. Bei allen anderen - und bei den schlechteren Noten sowieso - hatte ich eher das Gefühl, dass Manfred nur eine Ticketnummer war, die man abzuarbeiten hatte.

Das kann natürlich daran liegen, dass ganz einfach das Hauptgeschäft der Hersteller nicht über die E-Mail-Beratung läuft, sondern über spezielle Beratungs-Nummern oder eben den Fachhandel. Dennoch bleibe ich dabei: Wenn schon mal jemand schreibt, dann sollte man wenigstens den Mindest-Standard halten. Ich habe das Gefühl, dass die Bearbeitung von Anfrage-Emails zwar technisch und zeitlich gut gelöst ist - inhaltlich und daher qualitativ aber stark davon abhängt, wer gerade eine E-Mail beantwortet. Rennrad-Hersteller: Das könnt Ihr besser!


Enttäuschend: Superbike-Bauer BMC und Cervélo bekleckern sich nicht mit Ruhm - ein Drittel aller anderen Hersteller fällt durch.


Der Tiefpunkt (abgesehen davon, dass Marken wie Scott, Colnago oder Eddy Merckx gar nicht antworten) war allerdings bei meinen Lieblings-Marken Cervélo und BMC erreicht: BMC antwortet gar nicht, was ich übrigens gegengeprüft habe, denn auf eine schon vor 3 Wochen abgeschickte andere Anfrage an BMC (andere Adresse, Presse-Abteilung) habe ich auch keine Antwort erhalten. Für einen Premium-Hersteller mit einem Anspruch, wie ihn BMC hat, völlig inakzeptabel und fast schon nicht zu glauben. Hochglanz-Prospekte und eine perfekte Website auf der einen Seite, die sonderbar konterkariert werden von der Nicht-Antwort bei Kontaktaufnahme eines potenziellen Kunden, der sich für das bei BMC immerhin locker 8.000 bis über 10.000 € teure Top-Modell interessiert. Hier versagen die Schweizer augenscheinlich bei meinem Test.




Enttäuschung bei meinen Lieblingsmarken: BMC antwortet gar nicht. 
Cervélo/Derby Cycles versagt.


Richtig weh tut aber die Antwort von Cervélo. Oder genauer, von Derby Cycles. Als Cervelover weiß ich natürlich, dass mit der Übernahme der Kanadier durch die niederländische PON Holding im März 2011 (ich berichtete hier im Blog) das gesamte Vertriebsnetz von Cervélo über die Derby Cycles AG, die auch zum PON Konzern gehört, abgewickelt wird. Nur: Manfred Horbach weiß das nicht. In der Antwort von Derby steht nichts zu Cervélo - dafür aber ein einziger Satz, dass man sich doch bitte an einen Fachhändler wenden solle. Nicht einmal die Mühe, einen Link zur Cervélo-Händlersuche in der Website macht man sich in Cloppenburg. Das enttäuscht auf ganzer Linie! Zumal ich von all meinen Kontakten mit Cervélo weiß, dass sie dort richtig gut beraten würden, wenn sie nur könnten. Schade, dass Derby nicht einmal Alias-Email-Absender einrichtet, dass wenigstens der Eindruck entsteht, bei Cervélo gelandet zu sein. Auch hier finde ich, dass eine Marke, deren Produkte als High End der Branche gelten, mehr leisten müsste.


Doch BMC und Cervélo sind nicht allein, wenn es um Unzulänglichkeiten und Ungeheuerlichkeiten geht: Von "Hallo Manfred" + Screenshots von der Händlersuche ohne Tschüs bis wirrem Wortgruppen-Gestammel ist am unteren Ende der bewerteten Marken wahrlich auch mit dem größten Verständnis für Terminstress und "eigentlich ist der Fachhändler zuständig" kein Blumentopf zu gewinnen. Schade, dass auch ein so toller Rennrad-Bauer wie Wilier mit Pauken und Trompeten durchfällt: Ganze 19 Hersteller bestehen den Test nicht, 7 Hersteller, weil deren Antworten mangelhaft bis ganz mies sind, besagte 12, weil sie nicht mal das schaffen.


Eine Sonderrolle bei den Herstellern nehmen DeRosa, Bianchi und Specialized ein: Die lassen nämlich keinen direkten Kontakt zu, sondern zwingen Manfred, sich an Concept-Stores und autorisierte Dealer zu wenden.



Beratung durch Concept Stores: Gemischte Gefühle bei Bianchi, Specialized top.


Sollte eigentlich clever sein: Die Hersteller-Seite verlinkt gleich auf einen Store in meiner Nähe. So umgeht das Unternehmen das nervige E-Mail-Beantworten und schanzt so noch seinen Vertrieblern gute Kunden zu. Meine persönliche Meinung dazu ist etwas anders - ich wende mich ja nicht ohne Grund an den Hersteller. Eben weil ich vielleicht keinen Verkäufer am anderen Ende möchte, sondern den Erbauer, den Erfinder, den, der "es macht". Ich finde - persönlich - es ist ein bisschen schade, dass Specialized und Bianchi, aber auch DeRosa, nicht "persönlich" Rede und Antwort stehen wollen, obschon ich es aus Kosten-Sicht verstehe.



Ich versuche, die je 3 Stores & Fachhändler gut über Deutschland zu verteilen.

Für meinen Test suche ich mir jeweils 3 Concept-Stores von Specialized und drei Vertragshändler von Bianchi raus. Diese verteile ich auf jeweils Norddeutschland, in der Mitte in Köln und im bayerischen Süden aus. So sollte es ausgewogen sein, denke ich mir.


Specialized macht bei allen drei Anfragen eine sehr gute Figur: Die Antworten sind nach 2 bzw. 3 Tagen (also 1 bis 2 Werktage) in meinem Postkasten. Köln schickt sogar eine automatische Eingangsbestätigung (wie übrigens 7 von den insgesamt 45 E-Mail-Adressen, an die ich sende, auch). In Hamburg werde ich sehr detailliert und persönlich beraten und bekomme - was eher selten war bei den pro/contra-Ausführungen bezüglich der Di2 ist - sogar einen ausgewogenen "das wird aber teuer"-Hinweis. Vorbildlich! Dresden und Köln beraten ebenfalls seriös, ohne dabei pauschale Aussagen zu treffen. Beide Stores erhalten deshalb ein "mit Schwächen", weil sie entweder eine oder beide der Laufrad-/Schaltungsfragen nicht beantworten - Köln vergisst zudem, mich in den Store einzuladen.


Bei Bianchi ist von gut bis mangelhaft alles vertreten: Alle drei Stores antworten zwar sehr schnell innerhalb von 2 Tagen (also 1 Werktag), doch nur München erhält eine gute Bewertung - dennoch fällt hier die sehr tendenziöse Beratung in Richtung elektronischer Schaltung ohne Hinweis auf die Mehrkosten auf. Das empfand ich dann schon als zu viel persönliche Meinung. Hamburg tippt ohne Anrede hastig wirkend ein paar Sätze herunter, die zwar inhaltlich vollkommen okay sind, aber einen unprofessionellen Eindruck hinterlassen. Schade: Hier hat sich jemand für ein Oltre interessiert ... Bonn (Bike-Discount) schickt nur eine Telefonnummer mit "ruf uns doch einfach mal an" - so geht das gar nicht!

Alles in allem vergebe ich deshalb insgesamt für die Herstellerbewertung von Specialized ein "gut - mit Schwächen", für Bianchi kann es aber nur ein "zu schwach" geben - da bei den 3 angefragten Stores die gesamte Palette der Qualität vorhanden war, heißt das nichts anderes, als dass es reine Glückssache für den Interessierten ist. 




Die Einzelbewertungen der Stores. 

Richtig gespannt war ich auf die Direktversender - immerhin kann mir hier niemand mit "wenden Sie sich doch bitte an den Fachhandel" kommen. Der Direktversender muss ja per se eine Top-Beratung haben, denn darauf sind sie ja angewiesen. Oder ...?



Kaufberatung durch den Direktversender: Rose und Canyon performen überraschend schwach.


Falsch. Sowohl Rose als auch Canyon brauchen im Schnitt doppelt so lange, um eine Antwort zu senden. Nämlich 4 Tage (3 Werktage). Das liegt außerhalb des 48-Stunden-Limits, das ich für meinen Test gesetzt habe - was mich aber noch mehr überrascht, da ja immerhin 16 von 28 Antworten innerhalb von nur einem Werktag in meinem Postfach eintreffen, die Direktversender sind also langsamer - doppelt so langsam - als 2/3 aller Handels-Marken, die eine Antwort schicken. Das hätte ich so nicht erwartet.

Beiden Herstellern gebe ich ein "zu schwach". Zwar ist die Antwort von Canyon sehr ausfühlich, enthält einen Link auf ein im Konfigurator vorausgewähltes und zusammen gestelltes "Traumbike" (im übrigen der beste Kauf-Trigger aller getesteten Marken) sowie eine Einladung in den Store nach Koblenz, doch fehlt auch hier der Hinweis auf die hohen Kosten der Di2 sowie die mit 4 (3 Werktagen) für einen vom Direktversand abhängigen Händler viel zu lange Wartezeit.


Ebenso Rose, wo ich als positiv die persönliche Direkt-Durchwahl des Beraters bekomme "für weitere Fragen ruf mich gern an", als negativ aber die Tippfehler sowie die ebenfalls tendenziöse Beratung hin zum teureren Produkt mit der zu langen Wartezeit bemängeln muss. Im Vergleich jedoch zu Poison, Simplon oder auch Cannondale finde ich, dass die beiden großen Versender eher blass abschneiden, wobei Canyon von beiden allerdings eindeutig die Nase vorn hat. 





Von Rose und vor allem Canyon hätte ich eigentlich mehr erwartet.
Vor allem Speed.


Besonders interessiert haben mich auch die nicht-deutschsprachigen Hersteller und Marken. In Deutschland sind ja vor allem die Italiener sehr beliebt, aber auch Marken wie Trek und Cannondale - wie schlagen die sich so? 



Die europäischen und ausländischen Marken - Beratungsmäßig eine Enttäuschung.


Das Positive vorneweg: Auf dem Gesamt-Fünften meiner Testliste findet sich eine ausländische Marke: Look schafft es, meine E-Mail an den deutschen Vertriebler weiter zu leiten, der mir nach nur 2 Tagen (also innerhalb eines Werktages) schreibt, dass er meine Anfrage nach Frankreich weitergeleitet hätte UND sogar noch seine persönliche Meinung zu meinen Fragen. Das finde ich Top. Zwar habe ich bis heute, 2 Wochen nach dem Test, keine Antwort von Look erhalten, was das ganze Bild etwas trübt, im Moment der Antwort habe hat mich das schon ein wenig begeistert.

Auch bei Felt antwortet mir (nach 2 Tagen) der deutsche Vertriebler - die interne Weiterleitung funktioniert also - und fragt nach meinem Wohnort, um mich an einen Fachhändler zu vermitteln. Seine Antworten fallen etwas dünn aus, sind inhaltlich aber vollkommen okay. Beide, Look und Felt, bekommen ein "gut - mit Schwächen".


Nur noch Cannondale und Trek (beides US-amerikanische Hersteller) sowie der belgische Ridley antworten mir. C´dale braucht nur 2 Tage, Trek 4 (also 1 bzw. 3 Werktage - innerhalb des Limits also), beide antworten inhaltlich okay, gehen auf meine Fragen ein und senden sogar einen Link zum Store-Locator. Ridley versagt leider: Ein einfaches "Dear Mr. Horbach" gefolgt von einem Screenshot der deutschen Händlerliste, das war es. Mangelhaft! Ebenso fallen dann leider Wilier (eine Marke, die ich sehr verehre!), Lapierre und Litespeed mit wehenden Fahnen durch. Wilier und Lapierre antworten nur mit einem Satz und senden je eine deutsche und eine französische Telefonnummer. Bei Litespeed produziert das Kontaktformular drei mal Fehlermeldungen, sodass ich genervt aufgebe.





Die Einzelbewertungen der Durchgefallenen. 


Das geht aber alles noch, denn diese 7 Hersteller haben wenigstens noch geantwortet. Ganze 11 weitere nicht-deutschsprachige Hersteller schaffen noch nicht einmal das! Das sind 60 % aller ausländischen Hersteller. Keine Antwort, also "durchgefallen": Darunter so wohl klingende Namen wie Eddy Merckx, mCipollini, Pinarello, Colnago oder Fondriest ... das hätte ich so nicht erwartet.


Alles in allem, was lernt Manfred aus seinem Test?



Fazit: Beratung durch den Hersteller? Lieber zum Fachhändler!


Die Hälfte aller Angeschriebenen fällt durch, weil der Großteil nicht antwortet. Von denen, die eine Antwort schicken, ist nur ein Drittel "gut" oder "gut - mit Schwächen". So richtig begeistern oder mich zum Kauf anregen können nur drei von 29 Antworten. Was lerne ich daraus? Die Hersteller sind nicht auf Kundenanfragen eingestellt. Sie reagieren zum Großteil zwar in einer angemessenen Zeit (oder eben halt ar nicht), aber bei denen, die reagieren, ist es reine Glückssache, ob man einen Berater erwischt, der Zeit und Lust hat, auf die Fragen adäquat einzugehen. 

Bei der Verwandlung des "Lead" in einen "Sale" versagen fast alle Antwortenden - nur wenige schaffen es, weitere Kontaktmöglichkeiten zu schicken, auf die Händlersuche zu verlinken oder mich gar persönlich ans Telefon oder in den Store einzuladen.






Das Endergebnis ist ernüchternd: Gerade knapp ein Drittel der Hersteller hat meinen
Alter Ego Manfred gut beraten. 

Positiver fallen da schon die Concept Stores auf - vor allem die von Specialized - denn dort ist man anscheinend besser vorbereitet und geschult im Umgang mit Kaufinteressenten. Überraschend schwach performen die Direktversender, da ich die als am professionellsten erwartet hätte. Richtig enttäuschend die großen italienischen Marken.


Alles in allem: Lieber gleich zum Fachhändler! Da ich aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis und vor allem von mir selbst weiß, dass man sich eh schon vorher für die eine oder einige wenige Marken entschieden hat, sollte man sich als Kaufinteressent gleich die Fachhändler raussuchen und sich direkt bei denen - am besten vor Ort mit Probefahrten - beraten lassen. Auf die Hersteller ist hier leider kein Verlass.


Habt Ihr auch Erfahrungen beim direkten Kontakt mit den Herstellern Eurer Rennräder gesammelt? Ich freue mich auf Eure Kommentare.



Auch spannend: Über Rennrad-Garantie & den richtigen Fachhändler finden. 


Wie Ihr den richtigen Rennrad-Händler findet, woran Ihr einen guten, fairen Mechaniker erkennen könnt und was meiner Meinung nach ein solch Toller ist, könnt Ihr hier in meinem Beitrag zu Robert Karrasch von Pirate Bikes Hamburg, dem Radladen meines Vertrauens, nachlesen.

Solltet Ihr Euch mit dem Gedanken tragen, Euch ein neues Rennrad zu kaufen, sollte auch die Garantie ein Ausschlag gebender Punkt sein! Zwar schon etwas älter (Juni 2012) doch noch immer ganz interessant: Ich habe mal die hier getesteten Rennrad-Marken hinsichtlich der Garantien gecheckt. Das könnt Ihr hier nachlesen.





Quellen
* laut RoadBike Leser-Umfrage 2014
** laut ZIV 4% Anteil Rennrad, Flat-Bar & CX-Räder an Gesamtabsatz/Stück

Mein Test war natürlich nur ein "Snapshot" und gibt das Bild der Hersteller-Beratung zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wieder - generelle Aussagen über die Beratungsqualität und darüber, ob eine Marke/Hersteller nun "gut" oder "schlecht" sei, lassen sich daraus natürlich nicht ableiten - schon gar nicht auf die Produkte, die Rennräder also, übertragen.






MORTIROLO 15.-17. Mai - AUSGEBUCHT
MONT VENTOUX 29.-31. Mai - NOCH 2 FREIE PLÄTZE!
RETTENBACHFERNER/SÖLDEN 19.-21. Juni - JETZT RESERVIEREN!
COL DU GALIBIER 7.-9. August
COL DE LA BONETTE 28.-30. August

Bei Fragen, zur Anmeldung oder unverbindlichen Reservierung eines Startplatzes nutze bitte das Kontaktformular hier im Blog.

9. März 2015

"Wie viele Berge sind an einem Tag hier im Hochschwarzwald drin?" - Interview mit dem Macher des Schwarzwald Super!-Radmarathon, Deutschlands neuem, härtesten Rennrad-Event.


Dass ich eine besondere Liebe zu den Bergen habe, in denen ich mich mit meinem Rennrad austoben kann, das sollte bekannt sein. Es soll möglichst alpin zugehen, gern steil, gern hoch - und gern krass. Vielleicht war es diese Liebe zu den Rampen, die Christoph Hammann-Kloss dazu bewogen hat, mich anzusprechen, den Schwarzwald Super! kennenzulernen. Schwarzwald Super! - nie gehört. 

Ein kurzer Check: Oha! Ganze 6.300 Höhenmeter auf der Gold-Strecke machen dieses Event dann wohl zum härtesten Radmarathon Deutschlands. Dass es dieses Event erst seit 2014 gibt und es die Idee von zwei Radsport-Freaks ist, war für mich Grund genug, den Veranstalter und Vater dieses Radmarathons zu interviewen.

Was ist der Schwarzwald Super! - und warum gleich so krass?

Lousy Legs: Christoph, die blanken Zahlen Eures Radmarathons sind schon sehr beeindruckend: 4 Strecken habt Ihr im Angebot, dabei mit der Gold-Runde eine 260 Kilometer lange und ganze 6.300 Höhenmeter messende Monsterrunde auf die Beine gestellt - was ist das, dieser Schwarzwald Super!?


Christoph: (etwas verlegen) Ja, also es war eigentlich nicht unsere Absicht, gleich den bösesten deutschen Radmarathon auf die Beine zu stellen. Zusammen mit Johannes, meinem Sportsfreund und Mitorganisator des Schwarzwald Super!, haben wir uns damals die Frage gestellt, wie viele Berge man eigentlich an einem Rutsch hier im Hochschwarzwald mit dem Rennrad fahren kann. Herausgekommen ist der Schwarzwald Super!. Wir waren am Ende auch ein bisschen überrascht, dass es dann gleich über 6.000 Höhenmeter wurden ...



Der Hochschwarzwald: Und da sage mal einer, Rennradfahren in 
Deutschland sei "piefig"?!


Lousy Legs: Der "Höhenrekord" spielte also primär keine Rolle bei der Planung des Events? Immerhin legt Ihr zum Endura Alpentraum hier geht es übrigens zu den Rennberichten meiner Teilnahme von 2013 und 2014 noch einmal locker 280 Höhenmeter drauf. Ganz zu schweigen vom Schwarzwald Ultra Rad Marathon (oder auch SURM genannt), der auf der längsten Strecke immerhin schon 4.070 Höhenmeter bietet ...

Christoph: Nein, denn wir hatten wirklich nur die Idee, eine Strecke zu kreieren, die möglichst viele - am besten alle - der tollen Berge hier im Hochschwarzwald mitnimmt. Sie sollte zudem an einem Tag fahrbar sein. Das ist dann am Ende, als wir die GPS- und Höhendaten hatten, eben so raus gekommen. Uns war vor allem wichtig, ein tolles Event nach unseren Wünschen zu entwickeln: Die Natur, die Ausblicke und vor allem das Erlebnis dieser wundervollen Gegend hier stehen im Vordergrund. Dass es am Ende Deutschlands höchster Radmarathon wurde ... nehmen wir dabei natürlich gern mit.


Klettern bis zum Umfallen: Beim Schwarzwald Super! ist das Programm.

Lousy Legs: Und da habt Ihr Euch einfach gefragt, wie viele Berge man hier an einem Tag schafft und ...

Christoph: ... und haben uns an die Planung gemacht, ja. Schafft man 3, 4 Berge? Oder eben 5, 6 oder gar 8? Das war vor 4 Jahren so unser Hauptthema. Johannes und ich sind dann losgezogen und haben mit den Rennrädern aber auch mit dem Auto die Streckenabschnitte, die verschiedenen Berge und Anstiege, inspiziert und so die Strecke zusammen gestellt. Es gibt hier so viele tolle Rampen, herrlich, die Ausblicke - der Hochschwarzwald ist ein wundervolles Naturerlebnis. Wir wollten genau das vermitteln - und einen Radmarathon von 200 bis 250 Kilometern Länge machen.

Ein junger Radmarathon: Den Schwarzwald Super! gibt es erst seit 2014

Lousy Legs: Im letzten Jahr ging es dann endlich los. Die erste Ausgabe. Wie viele Starter hattet Ihr? 


Christoph: Wir hatten 35 Starter. Sogar 2 oder 3 Damen. (er lacht) Das ist natürlich eine Super Frauen-Quote. Aber im Ernst: Wir hatten nur hier in einigen Läden in Freiburg und Umgebung ein bisschen bescheidene Werbung gemacht, in unserem Freundeskreis herumgefragt und ganz wenig in Foren und Sozialen Netzwerken gepostet. Die 35 Leute waren genau die richtige Größe für die erste Ausgabe: Nicht gleich am großen Rad drehen, eher testen, viel mit den Teilnehmern sprechen, Fehler und Potenziale suchen. Ambitionierte Ziele hatten wir 2014 keine - es war uns eher wichtig zu schauen, ob die Strecken stimmen, ob die Verpflegung und Service gut angenommen werden und zu testen, wie sich die Teilnehmer beim Fahren so fühlen.


Christoph und Johannes hoffen vor allem auch auf viele
weibliche Teilnehmerinnen.

Lousy Legs: Und wie war das Feedback?

Christoph: Total super! Wir haben eigentlich nur "Beifall" bekommen und wirklich wertvolle Hinweise, bei einigen Details hier und da an Schräubchen zu drehen. Aber ansonsten: Super Simmung, alle waren am Lächeln und hatten Spaß.

Lousy Legs: Und die DNF-Quote ... bei 6.300 Höhenmetern immerhin keine unwichtige Frage.

Christoph: Da wirst Du staunen - die liegt bei 0 Prozent! Tatsächlich ist nur ein Teilnehmer wegen eines technischen Defektes nicht ins Ziel gekommen, alle anderen rollten glücklich und zufrieden über die Ziellinie. Sogar ganze zwei Drittel aller Teilnehmer - und das finde ich noch heute das Coolste überhaupt - die sich für die Silber-Strecke angemeldet hatten, sind im Laufe des Events auf die lange Gold-Strecke gewechselt. Und wie gesagt - alle ins Ziel. Wahnsinn, oder?

Lousy Legs: Wow! Wenn ich mir da die DNF-Zahlen vom Endura Alpen-Traum anschaue ...


Haben alle durchgehalten - alle Teilnehmer kommen 2014 ins
Ziel. (technischer Defekt ausgenommen)

Christoph: Na, die beiden Events kann man kaum miteinander vergleichen. Das war ja, so wie ich Dich verstehe, auch Deine Erfahrung beim Alpen-Traum, dass vor allem das nass-kalte Wetter, die sehr steilen Anstiege und die Zwischenstücke Dich fertig gemacht haben. Beim Schwarwald Super! spielen diese Faktoren keine so wichtige Rolle. 

Lousy Legs: Wie ist denn das Wetter 2014 gewesen?

Christoph: Wie Du an den Fotos sehen kannst - traumhaft! Wir hatten milde 20 Grad. Den ganzen Tag über Sonne mit wenigen Wolken und es blieb trocken. Perfekt, oder? Zudem sind unsere Berge nicht so hoch, wie Hahntennjoch oder gar der Stelvio, wo dich mitunter im September schon Schnee und Minusgrade erwarten. Lange Zwischenstücke haben wir auch keine.

Lousy Legs: Allerdings müssen die Höhenmeter ja irgendwo herkommen?

Christoph: Sicher! Bei der Gold-Strecke machst Du schon mal 8 Berge, na, eigentlich 10 längere Steigungen. Und dann hast Du im Schwarzwald halt auch viel Auf und Ab. Das summiert sich dann.

Die zweite Ausgabe des Schwarzwald Super! - was erwartet die Teilnehmer (neues)?

Lousy Legs: Was habt Ihr für die 2015er-Ausgabe verändert?


Christoph: Wir hatten 2014 nur einen Besenwagen, da wird es 2015 mehr Fahrzeuge geben, die in der Strecke unterwegs sein werden. Zudem werden wir mehr technischen Service bieten, da wir erstaunlicherweise mehr Pannen hatten, als gedacht. Ansonsten haben wir eigentlich nichts großartig Neues hinzugefügt: Wie gesagt, in puncto Verpflegung gab es nur positive Rückmeldungen, weshalb wir versuchen werden, dieses hohe Level auch in diesem Jahr zu halten.


Das A und O im Radsport - gerade bei diesen Strecken: Eine
perfekte Verpflegung. Beim Schwarzwald Super! gibt es davon 7. (große Strecke)

Lousy Legs: Also auch an der Strecke nichts verändert?

Christoph: Oh, klar, sogar gleich "3 auf einen Streich": Wir werden keine Durchfahrt mehr durch Freiburg haben. Das war uns wichtig, um dem Stadttrubel zu entgehen. Zudem ist Freiburg etwas verwinkelt, was die Navigation und Ausschilderung schwierig macht. So haben wir dann aber auch einen weiteren Berg im Programm, nämlich den Thurner. Und sogar eben besagte wunderschöne Wildgutachschlucht.

Lousy Legs: Mit wie vielen Teilnehmern rechnet Ihr oder - was wäre eine Teilnehmerzahl, mit der Du zufrieden wärst?

Christoph: Also, ich fänd es richtig cool, wenn wir dieses Jahr auf 200 Teilnehmer kämen, die den Schwarzwald Super! bestreiten. Das wäre ein toller Erfolg für uns.


Lousy Legs: Wie werbt Ihr denn für Euren Radmarathon? Gibt es zum Beispiel Medien-Kooperationen oder etwas in der Art?


Klein aber fein: 2014 gab es ein sympathisches Peloton. 
So soll das 2015 auch wieder sein. Nur ein bissel größer dürft´ es sein.

Christoph: Auch hier sind wir sehr sparsam. Wir freuen uns, jetzt für die zweite Ausgabe den Tourismusverband Hochschwarzwald als Partner gewonnen zu haben. Und dann haben wir noch die RennRad, die einen Bericht in der Print-Ausgabe bringen wird. Ansonsten setze ich auf Social Media, Mundpropaganda und hoffe, dass sich dieser tolle Radmarathon herumsprechen wird.

Sportliche Herausforderung Schwarzwald Super!

Lousy Legs: Was wären aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen bei diesem Radmarathon?


Christoph: Naja. 8 Berge am Stück - das ist nicht ohne! Da muss man schon richtig gut trainiert sein und Sitzfleisch haben. Du musst Dir Deine Kräfte sehr gut einteilen - wer hier wie ein Irrer Gas gibt, wird meines Erachtens keine guten Chancen haben.

Lousy Legs: Die Anstiege selbst sind ja nicht so lang. Auch nicht so hart ...

Christoph: ... da macht es dann aber die Masse. Die Abfolge: Wir haben keine Flachstücke. Es geht entweder hoch. Oder eben runter. Und runter geht es meist gar nicht so lange. Also wenig Zeit, um sich in Abfahrten zu erholen. Obwohl, der Kandel, der ist schon ein richtiger Brocken. Den Rest der Berge kann man eigentlich ganz gut fahren. Nur - es ist eben sauviel. 


Und genau darum geht es: Klettern. Geile Landschaft.

Lousy Legs: Der Kandel, zweiter Anstieg des Radmarathons.

Christoph: Ja, der ist bei uns sowas wie eine Legende. Es ist der einzige Berg hier im Schwarzwald der so etwas wie alpines Flair bietet. Und dabei ist der Kandel auch ein schön harter Brocken - 8 Prozent im Schnitt. Das ist eben der Charakter des Schwarzwald Super! - viele Berge, sehr hart. Du darfst auch nicht vergessen, schon die kürzeste Route hat bei uns 4 Anstiege.

Die Highlights des Schwarzwald Super!

Lousy Legs: Was sind Deine Top 3 Lieblingsstellen oder Highlights, auf die sich der Schwarzwald Super!-Teilnehmer freuen kann?


Christoph: Oh. Schwierig. Ich finde die gesamte Strecke toll. Aber wenn Du mich so fragst ... da ist ganz sicher auf Platz 1 die Wildgutach-Schlucht. Die ist auch ziemlich am Anfang des Events. Eine spektakuläre Schlucht, in die man sich mit dem Rennrad hinunterstürzt (fahrend, auf dem Asphalt natürlich!) und das ist wirklich Atem beraubend schön da!


Hoffentlich hält das Wetter dieses Jahr auch wieder, was die Erst-
ausgabe versprochen hat. Traumhaft!

Lousy Legs: Die hattet Ihr 2014 ja noch nicht im Programm, oder?

Christoph: Genau. Die Schlucht ist im Prinzip Teil der Freiburg-Umfahrung. Auf Platz 2 würde ich den Kreuzweg-Pass sehen. Ein toller, wunderbarer Anstieg und wenn wir wieder so gutes Wetter haben sicher auch einer der schönsten Aussichtspunkte.

Lousy Legs: Quäldich.de sagt für den 1.080 Meter hohen Kreuzweg tatsächlich nicht allzu viele Härtegrade voraus (2-3 Sterne von 5) dafür gibt es durchweg 4 Sterne für die Naturschönheit.

Christoph: Ganz richtig: Die Auf- und Abfahrt auf den Kreuzweg ist ein wahrer Genuss. Tja und auf Platz 3 dann der höchste Punkt der Runde: Der Belchen-Gipfel. Der ist ein richtig schöner Hammer. Ich finde den schon recht knackig, vor allem, weil er sehr spät kommt. Es ist der vorletzte Berg.


Ganze acht mal dieses Gefühl erleben: Endlich oben!

Lousy Legs: Auch hier gibt Quäldich.de durchweg 5 Schönheits-Punkte und 3 bzw. 4 Punkte für die Härte. Immerhin auf 1.400 Meter geht es hinauf.

Christoph: Für mich ist es irgendwie ein Schlüsselpunkt der Runde: Denn von hier oben kann man alle Berge des Schwarzwald Super! sehen - also quasi ein Rückblick auf die ganze Strecke vor dem letzten Anstieg. Und weiter weg kann man sogar die Vogesen erkennen, wenn das Wetter stimmt. Ein wirklich toller Moment, für den, der dort dann ankommen wird.

Orga: Was kostet der Spaß und wann geht er los?

Lousy Legs: Was ruft Ihr als Startgeld für den Schwarzwald Super! auf?

Christoph: Wir haben ein Startbeitrag von 59 Euro angesetzt. Darin enthalten ist das Übliche bei einem Rennrad-Event: Startpaket mit allerlei Kleinzeugs, die Startnummer, eine Karte für die Zeitstempel - also keine Transponder, das spart Kosten - einen technischen Servicebereich am Start, 7 Verpflegungsstationen auf der Gold-Runde, Duschen und vieles mehr.

Lousy Legs: Die übliche Pasta-Party?

Christoph: Jaein. Anstelle labbriger Nudeln und Dosen-Bolognese gibt es beim Schwarzwald Super! eine Knöpfle-Party. Knöpfle, das ist hier unsere regionale Spätzle-Variante: Eier, Mehl und Quark ergeben eine sehr leckere Spezialität. Da freue ich mich schon drauf!


Nein, das sind keine Knöpfle. Doch schon 2014 war es lecker beim Radmarathon.

Lousy Legs: Der Renntermin?

Christoph: Wir haben lange für den optimalen Starttermin für dieses Event gesucht. In diesem Jahr ist es der 13. September geworden ...

Lousy Legs: ... das Datum, an dem auch der Endura Alpen-Traum - übrigens nur ein Jahr "älter" als der Schwarzwald Super! - wieder seinen Startschuss hat.


Dicht. Nadelig. Schatten spendend. Der Hochschwarzwald.

Christoph: Ja, leider lassen sich Überschneidungen mit anderen Events nie wirklich verhindern. Dazu gibt es einfach zu viele Angebote für den Jedermann-Fahrer. Für uns war beim Datum vor allem wichtig, dass wir nicht allzu früh im Jahr - wegen der fehlenden Trainingsleistung der Teilnehmer - und auch nicht zu spät im Jahr starten. Dass wir da nun auf dem selben Tag wie der Alpen-Traum liegen ist aber Zufall.

Warum wir den Schwarzwald Super! 2015 fahren werden.

Ich gebe zu, ich musste nicht lange überlegen: Nach meinen zwei nur halbwegs gelungenen Auftritten beim Endura Alpen-Traum habe ich mit diesem wirklich krassen Ding zwar noch eine Rechnung offen, habe aber ehrlich gesagt auch nichts dagegen, das Begleichen selbiger noch um ein Jahr zu verschieben. Da kommt der Schwarzwald Super! gerade recht: Die enthusiastische Werbung Christophs für seine schwarzwälderische Heimat hat mich ehrlich gesagt angesteckt.



59 Euro. 260 Kilometer. Fast leere Straßen. Hammer Höhenmeter.
Ich freue mich!

Dazu die Aussicht, auf nahezu der selben Streckenlänge wie beim Alpentraum fahren zu können und zudem sogar noch etwas mehr Höhenmeter abzureiten - und das zu einem Drittel der Kosten ist verlockend. Zumal ich nicht selten mit viel Freude und etwas Wehmut an meine erste Begegnung mit dem Schwarzwald denken muss: Zwar eine ganz andere Ecke, aber immerhin noch Schwarzwald. Hier konnte ich 2011 den richtig genialen Rothaus RiderMan hier geht es zum Rennbericht von damals fahren. Wieder hierher zu kommen, erfüllt mich mit großer Vorfreude.

Also: Wir sehen uns am Start? In der Schlucht? Am Belchen? Beim Knöpfle? Ich würde mich sehr freuen!



Abendrot im Schwarzwald - wir sehen uns bei der After-Race-Party?


Hier gelangt Ihr zur Website des Schwarzwald Super! mit allen Informationen und der Anmeldung.


Christoph Hammann-Kloss ist 35 Jahre jung, rad- und rennradverrrückt und hat als Selbständiger einen - na klar - Fahrradkurierdienst in Freiburg. Sein Kollege Johannes Kratzert (37) ist ein Freiburger Software-Entwickler. Ich bedanke mich für das angenehme und spannende Interview - und freue mich auf das Saison-Ende im Schwarzwald.

Apropos Höhenmeter ...

Ihr wollt nicht bis September warten, um richtig mal so richtig fies Höhenmeter zu sammeln? Dann kommt doch bei uns mit: Everesting am Mortirolo vom 15. bis 17.5. - wir haben Hotelübernachtungen (Wellness) mit Frühstück und Verpflegung beim Event sowie An- und Abreise organisiert. Mit 300 € seid Ihr dabei - Anmeldungen oder Fragen zum Event gern jederzeit über das Kontaktform hier im Blog. 








MORTIROLO 15.-17. Mai - JETZT ANMELDEN
MONT VENTOUX 29.-31. Mai
RETTENBACHFERNER 19.-21. Juni
COL DU GALIBIER 7.-9. August
COL DE LA BONETTE 28.-30. August

Bei Fragen, zur Anmeldung oder unverbindlichen Reservierung eines Startplatzes nutze bitte das Kontaktformular hier im Blog.